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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Angehörige der Pfarrei Pax Christi, liebe Schwestern und Brüder,

 

irgendwann in unserem Leben haben wir die für uns beste Weise zu leben gefunden. Wahrscheinlich haben wir den Übergang gar nicht bemerkt. Nach Jahren des Ausprobierens hatten wir Gewohnheiten gebildet. Wir wurden zu Seitenschläfern oder bevorzugten alle Lagen. Vom Boden aufstehen fiel uns leicht, wenn wir es so oder so machten. Auf allen Ebenen unseres Lebens fanden wir die für uns angebrachte Lösung. Fast unbewusst bewegen wir uns stets auf dieselbe oder ähnliche Weise. Herausforderungen gehen wir in oft gleichen Mustern an, weil sie uns Erfolg und schnelles Gelingen verheißen. So jedenfalls ist unsere Erfahrung.

 

Möglicherweise war der Übergang zu diesen bewährten Lebensweisen verbunden mit dem inneren Gefühl, endlich richtig erwachsen zu sein. In unserem Leben konnten wir den herkömmlichen Anforderungen gelassen und gekonnt begegnen. Allenfalls in Zeiten von Krankheit müssen wir uns anders verhalten, um dann bei Genesung wieder zur alten Form aufzulaufen. Die Entdeckung der besten und kürzesten Wege kann uns jedoch einseitig werden lassen. In meiner Studienzeit begegnete ich einer Schülerin und Begleiterin von Moshé Feldenkrais. In langen Jahren hatte dieser Körperlehrer einen ganz anderen Weg beschritten. Menschen, die zu ihm kamen, lehrte er eine neue Vielfalt, sich zu bewegen, körperlich und geistig. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten zum Beispiel, um sich von der Erde aufzurichten. Diese vielen Möglichkeiten ließ er schonend und in sich wiederholenden Bewegungen üben. Viele machten Entdeckungen und Fortschritte, die sie nicht mehr für möglich gehalten hatten. Heute wissen wir von der Hirnforschung, dass dadurch viele Verknüpfungen im Gehirn wieder aus ihrem Ruhezustand erweckt worden sind. Dadurch fühlten sich die Menschen nach den Übungen lebendiger und reich beschenkt.

 

In den letzten Wochen geht mir immer wieder durch den Sinn, ob wir als Christen hier nicht ähnliche Erfahrungen machen können. Auch als Christ habe ich irgendwann meine beste Weise gelernt, mich im Leben als Jünger und Jüngerin Jesu zu verstehen. Der wöchentliche oder monatliche Kirchgang schien ausreichend, um Kraft für den Alltag zu tanken. Vielleicht hielt ich an der geliebten Gewohnheit fest, morgens und abends zu beten. Mitmenschliches, ehrliches Verhalten in Familie wie im Beruf setzte meiner Idee, Christ zu sein, die Krone auf. Möglicherweise fühlte ich mich sogar im Glauben und Leben erwachsen. Die letzten Wochen haben unser Weltbild unverhofft auf den Kopf gestellt. Vieles war ausgesetzt und ist jetzt nur unter erheblichen Einschränkungen wieder möglich. Selbstverständlichkeiten in unserer Lebensführung sind weggebrochen. Müssen wir anders lernen zu glauben und diesen Glauben persönlich wie gemeinschaftlich bunter zu leben? Will uns Gott in eine neue Wirklichkeit führen und Einseitigkeiten unseres Lebenswandels in die Fülle seines Lebens verwandeln?

 

Ich bin überzeugt, dass in solchen Fragen, wenn wir ihnen Raum geben, ungeahnte Möglichkeiten schlummern. Der Gott des Lebens wird nicht müde, uns Gutes und Heilbringendes erfahren zu lassen. Die Sommerzeit eignet sich in besonderer Weise dazu, unser Lebens aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

 

 

 

Im Namen aller Gremien zusammen mit unserem Pastoral- und Sekretariatsteam wünsche ich eine spannende Entdeckungsreise,

 

 

 

Ihr Dompfarrer Matthias Bender

 

 

Newsletter Pax Christi 14/2020