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Sommerzeit – Auszeit!

Bild: Sandra Cunningham

Es gibt so bezeichnende Sätze wie: „Jeder hat sein Päckchen zu tragen“ oder: „Irgendwas ist immer.“
Die Päckchen, die wir zu tragen haben, sind ganz unterschiedlich groß.
Da gibt es Riesenpakete:
Zwei Millionen nehmen in Deutschland Tabletten, um ihre tägliche Arbeit bewältigen zu können. Andere haben die entgegengesetzte Last: Sie haben keine Arbeit, finden sich nutz- und wertlos.
Es gibt fast untragbare Lasten, die einem die Luft abdrücken.
Jesus Christus spricht:

Kommt alle zu mir,
die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt.
Ich werde euch Ruhe verschaffen.“

„Die meisten Menschen stöhnen unter Lasten, die sie sich selbst aufgebürdet haben“ – behaupten viele: Da fordert man von sich Höchstleistungen, will immer erreichbar sein, Tag und Nacht. Und selbst im Urlaub arbeitet man Programme ab. Selbstauferlegte Lasten kann man ändern, doch fremdauferlegten kann man kaum ausweichen.

Jesus sagt nicht: Es gibt ein Leben ohne „Joch“. Er spricht vom Joch. Aber er spricht davon, dass man abschalten, ausruhen, aufatmen kann. Und wir selbst können/müssen etwas tun: Den Kummer von der Seele reden, Hilfe annehmen, ruhig werden, sich freie Zeit gönnen, den Sonntag Sonntag sein lassen und sich freie Tage, ja Nichtstun, gönnen.

Es gibt da einen interessanten Brief von einem Mönch an einen Papst.
Der Mönch: Bernhard von Clairvaux,
der Papst: Eugen III.
Der Mönch schreibt an den Papst. – hier ein paar seiner Sätze:

Wo soll ich anfangen? Am besten bei Deinen zahlreichen Beschäftigungen, denn ihretwegen habe ich am meisten Mitleid mit Dir. Ich fürchte, dass Du, eingekeilt in Deine zahlreichen Beschäftigungen, keinen Ausweg mehr siehst … Es ist viel klüger, Du entziehst Dich von Zeit zu Zeit Deinen Beschäftigungen, als dass sie Dich ziehen und Dich nach und nach an einen Punkt führen, an dem Du nicht landen willst …
Wenn Du Dein ganzes Leben und Erleben völlig ins Tätigsein verlegst und keinen Raum mehr für Besinnung vorsiehst, soll ich Dich da loben? Darin lob ich Dich nicht…
Wenn Du ganz und gar für alle da sein willst, --- lob ich Deine Menschlichkeit – aber nur, wenn sie voll und echt ist. Wie kannst Du aber voll und echt Mensch sein, wenn Du Dich selbst verloren hast? Auch Du bist ein Mensch. Damit Deine Menschlichkeit … vollkommen sein kann, musst Du also nicht nur für alle anderen, sondern auch für Dich selbst ein aufmerksames Herz haben, dann sei auch Du selbst ein Mensch, der ein Recht auf sich selbst hat. Warum solltest einzig Du selbst nichts von Dir haben…?
Wie lange noch schenkst Du allen anderen Deine Aufmerksamkeit, nur nicht Dir selber?
Ja, wer mit sich selbst schlecht umgeht, wem kann der gut sein? Denk also daran: Gönne Dich Dir selbst.
Ich sage nicht:
tu das immer,
ich sage nicht:
tu das oft,
aber ich sage:
tu es immer wieder einmal.

Sei wie für alle anderen auch für Dich selbst da…“

 

Pfarrer Wolfgang Willem