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Herausforderung – Freiheit – Beziehung

Quelle: www.1art1.de

Jahr für Jahr machen sich viele von uns Vorsätze, die wir im neuen Jahr umsetzen möchten: mehr Sport treiben, sich gesünder ernähren, mit dem Rauchen aufhören usw.

Was aus diesen Vorsätzen letztlich wird, gestaltet sich zumeist sehr unterschiedlich. Und dennoch ist es wichtig, sich Gedanken über die Zukunft zu machen, über Dinge, die man anpacken, über Ziele, die man erreichen möchte. Man muss immer wieder an sich und seinem Leben arbeiten. Manchmal ist es auch notwendig, die Perspektive zu verändern und anders oder gar neu anzusetzen.

Nicht anders ist es mit dem Glauben: Auch der Glaube ist keine statische Kategorie, keine Konstante, frei nach dem Motto: „Wer einmal zum Glauben gekommen ist, der glaubt immer – und auch immer gleich.“ Der Glaube ist wie alles im Leben eine sich ständige verändernde Größe. Und demnach ist der Glaube etwas, an dem man arbeiten, mit dem man sich auseinandersetzen muss.

An den dreieinigen Gott zu glauben heißt auch – und vielleicht sogar vor allem – sich von ihm herausfordern zu lassen. Glaube ist Herausforderung.

Der Glaube ist nicht etwas, das vererbt und einem damit in die Wiege gelegt wird. Er wird auch nicht von außen angelernt wie Schulwissen. Aber freilich gibt es auch eine Komponente der Sozialisation. Dennoch ist der Glaube etwas zutiefst Persönliches und erfordert demnach eine individuelle Entscheidung: die freiheitliche Antwort auf Gottes zuvor gesprochenem und unbedingtem Ja zu uns durch seinen Sohn Jesus Christus. In aller Konsequenz heißt dies zweifellos auch, dass man den Glauben ablehnen und ihn verneinen kann. Niemand kann und darf zum Glauben gezwungen werden, denn damit würde man ihn der Freiheit berauben, die Gott uns gegeben hat. Denn nur ein eigens bejahter, ein in persönlicher Freiheit angenommener Glaube ist tragfähig. Glaube ist Freiheit.

Aber genau hier liegt auch unsere Aufgabe als Kirche: dass wir den Menschen von unserem Glauben, von unseren Glaubenserfahrungen erzählen. Hier konkretisiert sich der vielfach falsch verstandenen Begriff „Mission“: missionarisch tätig zu sein, heißt nicht, den anderen unseren Glauben überzustülpen und aufzuzwingen. Sondern ihnen von dem zu erzählen, das uns trägt, das unser Herz brennen lässt – „Denn wovon das Herz überfließt, davon spricht der Mund“ (Mt 12,34). Das ist die Aufgabe der ganzen Kirche, aller Getauften: den Menschen das Evangelium zu verkünden.

Menschen (wieder) glaubensfähig zu machen, Menschen ermöglichen, in Beziehung zu treten mit dem lebendigen Gott. Darin besteht unsere bleibende Aufgabe.

Die innigste Beziehung mit Gott ereignet sich im Gebet, im persönlichen Gespräch mit Gott. Dort, wo ich ihm alles sagen kann, was mich umtreibt, was mich ängstigt, was mich berührt. Denn Glaube ist nicht das Auswendiglernen von Glaubenssätzen, Glaube ist auch nicht das bloße und unreflektierte Mitfeiern der Liturgie. Beides spielt freilich eine wichtige Rolle im Glaubensleben, aber Glaube ist mehr – Glaube ist Beziehung, Beziehung zum lebendigen Gott, der uns zuerst geliebt hat, uns bedingungslos annimmt und unser Ja in Freiheit möchte. Die persönliche Gottesbeziehung ist das alles Entscheidende. Und wie in jeder guten menschlichen Beziehung ist auch hier der Schlüssel das persönliche Gespräch mit dem Gegenüber. Und eins ist sicher: Gott hört zu!

Michael Gutting