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Geist der Weihnacht

Thommy Weiss - pixelio.de

Wieder einmal ist das Jahr nur so an einem vorbeigeflogen. Eben noch saß man mit Freunden im Garten bei strahlendem Sonnenschein zusammen, der Grill brutzelte das Fleisch auf Hochtouren und das Bier konnte angesichts der Temperaturen nicht kalt genug sein.

Im nächsten Moment entdeckt man im Supermarkt bereits wieder das Weihnachtsgebäck – das zugegebenermaßen bereits im September in die Regal kommt – und kann der Sonne schon vor 17 Uhr beim Untergehen zusehen. Doch wenn dann die Adventszeit beginnt und in den Städten und Dörfern die konkreten Vorbereitungen für Weihnachten bereits in vollem Gange sind, sucht man dort zumeist vergebens die Zeit der inneren Vorbereitung und die Zeit der Erwartung auf die Ankunft des Erlösers. Geschäftliches Treiben drängt sich in den Mittelpunkt und der Profit, den diese Zeit für Unternehmen mit sich bringt, entstellt die Vorfreude auf die Geburt des Kindes in der Krippe.

Selbst auf den Weihnachtsmärkten ist wenig bis nichts vom Weihnachtszauber zu spüren. Überall riecht es nach Bratenfett und im Zentrum steht nicht der Geist der Weihnacht, sondern der Glühweinkonsum, denn schließlich muss man das kalte Bier im Sommer in dieser kalten Jahreszeit doch adäquat ersetzen. Über die Wünsche nach Besinnlichkeit und Ruhe wird zumeist nur abschätzig gelächelt, denn schließlich hätte man in dieser Zeit ja nur Stress und Hektik und könne sich keine Pause zum Innehalten gönnen, da ja noch so viel zu tun sei, bis die Familie über die Weihnachtstage kommt.

Um herben Enttäuschungen vorzubeugen, startet man auf den Straßen besser auch keine Umfrage zu Ereignissen rund um die Weihnachtsgeschichte.

Auch wenn so die traurige Realität mittlerweile aussieht, sollte man sich davon nicht die Sicht auf den Stern am Himmel trüben lassen, der uns in dieser Heiligen Nacht inbrünstig leuchtend den Weg zum Stall weisen möchte. Für mich persönlich ist und bleibt die Weihnachtszeit die schönste Zeit des Jahres. Sie ist die Zeit der Freude und des Glücklichseins. Auch wenn man selbstverständlich nicht beeinflussen kann wie man sich fühlt, so legt diese Zeit doch eine gewisse Grundstimmung fest.

Weihnachten ist das, was wir selbst daraus machen. Besinnlichkeit, innere Vorbereitung, Erwartung… all das ist eine Frage der Einstellung. Um etwas vom Geist der Weihnacht wahrhaft spüren zu können, müssen wir uns dafür öffnen. Wir müssen diesem Geist, diesem Zauber Raum geben. Besinnlichkeit stellt sich nicht von selbst ein. Wir müssen uns bewusst darauf vorbereiten, besinnlich zu werden. Wir müssen uns bewusste Freiräume schaffen, kleine Oasen, um zur Ruhe zu kommen, dem nachzusinnen, der hier und heute zu uns kommen und den Himmel zu uns bringen möchte. Gott wird Mensch in dem Kindlein in der Krippe – klein, unscheinbar, unaufdringlich. In diesem Kind ist Gott mitten unter uns, ist uns der Himmel so nah‘. Weihnachten ist kein abgeschlossenes Ereignis, das vor über 2000 Jahren geschehen ist – Weihnachten ist heute! Gott will in jedem von uns geboren werden. Immer wieder neu.

Pastoralpraktikant Michael Gutting