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Pfarrer Bernhard Linvers verstorben

Vorkämpfer im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils – ein Nachruf der Pfarrei Pax Christi

Pfarrer Bernhard Linvers, nahezu 40 Jahre lang Pfarrer von St. Hedwig und in den letzten sieben Jahren zusätzlich Pfarrer von St. Otto, war geprägt durch das II. Vatikanum. Er studierte in dieser Zeit in Mainz und  wurde 1964 in Speyer zum Priester geweiht. Nach den Kaplansjahren in Ludwigshafen und Speyer fand er sein Hauptarbeitsfeld in Speyer West, im Aufbau der dortigen jüngsten Gemeinde: St. Hedwig. Ein Jahr nach der Fertigstellung des Kirchenbaus (1975) nahm der Seelsorger Linvers seine Aufgabe, „nahe bei den Menschen zu sein“, sehr wörtlich. 

Gemeint ist der Arbeitskampf bei den Flugzeugwerken in Speyer, denen er nicht nur die kirchlichen Räumlichkeiten für Betriebsversammlungen zur Verfügung stellte, sondern auch in erster Reihe mit den Arbeitern in der Maximilianstraße demonstrierte. Später erhielt er dafür den Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz. Bis zuletzt begleitete er die Geschicke des Unternehmens durch Kontakte zum derzeitigen Betriebsrat. Sein arbeitspolitisches Interesse führte auch zur Gründung der GABIS.  Ein Pfarrer am Puls der Zeit. Wie weit sein soziales Engagement reichte, zeigte sein Durchsetzungsvermögen in der Auseinandersetzung bei der Errichtung von Ganztagsplätzen in der Kita St. Hedwig, für die damalige Zeit ein Pilotprojekt, heute eine Selbstverständlichkeit.

Sein theologisches Selbstverständnis zeigte sich in der Förderung der Ökumene und vor allem im interreligiösen Dialog mit unseren jüdischen und muslimischen Glaubensbrüdern und -schwestern. Der Gedankenaustausch mit jungen Menschen lag ihm immer sehr am Herzen; dies spiegelte sich auch in seiner Tätigkeit als katholischer Hochschulseelsorger an der damaligen Verwaltungshochschule Speyer.

Trotz aller dieser Tätigkeiten (siehe Liste am Ende des Nachrufs) war die Pfarrei St. Hedwig das vorrangige Feld seiner pastoralen Zuwendung. Dies bedeutete für ihn in erster Linie die Verkündigung des Wortes Gottes als zentrales Anliegen. Er verwendete viel Zeit zur Vorbereitung der Predigten, denn schließlich vertrat er die Meinung, dass das Evangelium in zeitgemäßer Sprache zu vermitteln sei. Dieser Dienst der Glaubensverkündigung hieß für Linvers, stets auf der Höhe des theologischen Wissens zu sein.

Theologische Fragen der Gegenwart beschäftigten ihn bis zu seinem Lebensende. Er holte die Menschen in seinen Predigten oder auch in seelsorgerischen Gesprächen dort ab, wo sie ihre Probleme hatten, auch in Lebens- und Glaubensfragen. Seine lebendige Art machte ihn auch zu einem gesuchten Mentor bei der Ausbildung der Pastoral- und Gemeindereferenten. Ohne Zweifel haben ihn das Zweite Vatikanische Konzil und die nach- konziliare Zeit mehr als geprägt. Dies verdeutlicht auch sein großer Einsatz bei der SOG (Solidaritätsgruppe katholischer Priester), dessen Mitbegründer und eigentlicher Motor er war. Die damaligen Forderungen aus der Gründungszeit um 1970 könnte man als Vorwegnahme der Forderungen des heutigen Synodalen Weges bezeichnen.

Schließen soll dieser Nachruf mit einem Zitat von Pfr. Linvers aus seinem Dankschreiben, anlässlich seines 50jährigen Priesterjubiläums: “In den Jahren meiner beruflichen Tätigkeiten hatte ich das große Glück, hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter/innen zu haben, die mit Freude und Sachkenntnis „dabei“ waren, wenn es darum ging, Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Da bin ich nicht nur zu Dank verpflichtet, sondern dieses Miteinander hat auch Freude gemacht. Nur gemeinsam können wir Gemeinde leben, das galt nicht nur für die Vergangenheit, das ist auch Aufgabe für die Zukunft.“

Nehmen wir dieses Zitat auch weiterhin als sein Vermächtnis!

Dr. Markus Lamm und Theresia Füchtenschnieder

Ämter und Aufgaben, die Pfarrer Bernhard Linvers innehatte:

Zwei Jahre Kaplan in Ludwigshafen, Herz - Jesu

Vier Jahre Kaplan in Speyer, St. Joseph und St. Bernhard

Mitbegründer von Gabis

Präses der KAB St. Hedwig /St. Otto

Förderer der Gründung von Echo (Zusammenschluss der vier Kindergärten)

Gründung und Leitung ökumenische Sozialstation

Gründung und Leitung des Krankenpflegvereins

Gründung und Leitung eines ökumenischen Gesprächskreises mit der Johannesgemeinde

Hochschulseelsorger an der Verwaltungshochschule

Kontakte zur jüdischen Gemeinde in Worms

Kontakte zur muslimischen Gemeinde in Mannheim

Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Instituts für

deutsch-türkische Integrationsstudien

Gründungsmitglied und Leitung SOG

Präses des Berufsverbandes der Pfarrsekretärinnen

Leiter des Pfarrverbandes Speyer

Prodekan

Sekretär des Diözesanpriesterrates und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Priesterräte

Mitglied des Diözesansteuerrates

Mitglied des Diözesanvorstandes des Caritasverbandes

Geistlicher Begleiter des Familienbundes der Katholiken in Speyer-Ludwigshafen

Mitglied von donum vitae - Vorderpfalz

 

Gedenken

Das Totenoffizium und Requiem werden am Montag, 14. März, um 12:30 Uhr in der Kirche St. Bernhard gefeiert. Anschließend findet die Beisetzung um 14 Uhr auf dem Friedhof in Speyer statt. Bitte beachten Sie die 3-G-Regel in St. Bernhard, außerdem werden die Plätze dort sehr begrenzt sein.