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Stille

Foto: ez

Als ich vor kurzem meine Bücher ordnete, fiel mir auf, dass sich einige Bücher mit dem Thema „Stille“ beschäftigen. Ich lese gern über die Bedeutung der Stille. Mich interessiert zum Beispiel das tägliche Leben der Kartäusermönche oder die Regeln unserer Karmelitinnen.

Während ich darüber nachdachte, durchzuckte mich ein Gedanke. Zwischen Lesen und Einüben besteht ein wesentlicher Unterschied. Lesen bereichert mich und führt mich in neue Welten. Aufmerksames Lesen baut auch Wissen auf. Vielleicht entstehen aus dem Studieren wertvolle Gedanken für Predigt, Vorträge und Gespräche. Erst das Einüben ermöglicht jedoch eigene Erfahrungen. Wer Stille bewusst übt, muss oft verwundert feststellen, dass es im eigenen Herzen lauter wird. Verletzungen und Verwundungen melden sich und rühren unser Inneres auf. Das kann sehr unangenehm und schmerzhaft sein. Die Versuchung wegzurennen ist verständlich. In der Stille bleiben und auszuhalten ist eine Kunst.

Wenn wir im Schweigen verharren, kann uns die Stille in das kostbare Geheimnis bewusster Gegenwärtigkeit begleiten. Die Stille gewährt Frieden und ein im Herzen gründendes Glück. Wenn wir am Aschermittwoch die österliche Bußzeit beginnen, könnte das eine Einladung sein, Inseln der Stille in unser Alltagsleben einzuplanen. Wenn uns die Stille anfangs schwierig scheint, kann sie sich bei regelmäßiger Einübung als Quelle österlichen Friedens erweisen. Unser Schweigen kann uns ausrichten: auf Gott, aufeinander und auf die Sehnsucht unseres eigenen Herzens.

Ich wünsche Ihnen allen, auch im Namen unserer Gremien und des pastoral- und Sekretariatsteams einen guten Start in die Fastenzeit,

Ihr Dompfarrer Matthias Bender