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Advent – Wartezeit

Quelle: pixabay.com

Bald ist er wieder da, der Advent, die Zeit des Wartens, die Zeit der Erwartung.

War wartet, schlägt nicht die Zeit tot.
Wer wartet, der ist gespannt, der hofft, der ist auf ein Ziel hin ausgerichtet.
Wer wartet, hält Ausschau nach jemandem oder nach etwas.

Im Advent warten wir als Christen auf Weihnachten, auf das Fest der Menschwerdung unseres Gottes. Wir warten von neuem auf das Erscheinen Gottes in unserem Leben, obwohl wir wissen, dass Gott ja schon da ist, schon bei uns ist.

Warten berührt unser Herz, es macht das Herz weit. Wir strecken uns aus nach dem, der unser Herz höherschlagen lässt.

Aber nicht nur wir warten, auch Gott wartet auf uns. Er wartet darauf, dass wir unser Herz für seine Liebe öffnen.

Pater Anselm Grün, Benediktinermönch der Abtei Münsterschwarzach, hat fünf Wünsche für Weihnachten verfasst, die ich Ihnen für die Zeit des Wartens mitgeben möchte:

 

Fünf Weihnachtswünsche

  1. Mein erster Wunsch ist, dass Gott auch mit Ihnen einen neuen Anfang feiert. In der Geburt seines Sohnes hat er in der Welt einen neuen Anfang gesetzt. Alles, was schief gelaufen ist in der menschlichen Geschichte, ist durch die Geburt Jesus erneuert worden. Die Geburt Jesu möchte Sie einladen, Vergangenes zu begraben und den Träumen von einem erfüllten Leben wieder neu zu trauen.

  2. Der zweite Wunsch betrifft die Menschwerdung. Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden, damit Sie Mut finden, selber Mensch zu werden. Gott wird Mensch im Stall von Betlehem. Unsere Menschwerdung geschieht mitten im durcheinander unseres Alltags. Alles, was wir täglich tun, soll vom Licht Gottes erfüllt und durchdrungen werden.

  3. Mein dritter Weihnachtswunsch bezieht sich auf den Frieden, der an Weihnachten von Gott her auf die Erde kam. Gottes Friede kommt in der Gestalt eines wehrlosen Kindes auf die Erde. Friede entsteht dort, wo es die Liebe wagt, ohnmächtig vor der menschlichen Macht zu erscheinen.
    Die Engel sagen uns, wie der Friede auch für uns entstehen kann: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden!“ Wenn wir Gott die Ehre geben, dann finden wir hier auf Erden den Frieden.

  4. Mein vierter Weihnachtswunsch soll Sie durch die Geburt Jesu Christi im Stall von Betlehem an die Gottesgeburt in Ihrem eigenen Herzen erinnern. Die Mystiker sprechen ja von der Geburt Gottes in unserer Seele. Damit meinen sie: Wenn Gott in uns geboren wird, dann kommen wir in Berührung mit dem ursprünglichen und unverfälschten Bild, das Gott sich von jedem von uns gemacht hat. Dadurch lösen sich all die Bilder auf, die wir uns selbst übergestülpt haben, etwas die Bilder unseres Größenwahns, dass wir immer perfekt, immer gut drauf, immer erfolgreich sein und immer alles im Griff haben müssen. Und es lösen sich die Bilder unserer Selbstentwertung auf, dass wir nicht richtig sind, dass wir für andere unzumutbar sind. Wenn Gott in uns geboren wird, dann beginnt auch unser wahres Selbst zu leuchten.

  5. Mein fünfter Weihnachtswunsch betrifft die Liebe. In der Geburt Jesu leuchtet uns Gottes Liebe auf. So schreibt Johannes in seinem ersten Brief: “Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben“ (1 Joh 4,9).
    Die Weihnachtsbilder lassen uns das erspüren. Von dem göttlichen Kind geht ein mildes Licht der Liebe aus, das alle Umstehenden erhellt: Maria, Josef, die Hirten und die Weisen aus dem Osten. So wünsche ich Ihnen, dass die Liebe, die indem göttlichen Kind aufgestrahlt ist, auch in Ihrem Herzen aufstrahlt.

    (nach: Anselm Grün. Das Buch der Weihnacht.)

 

Liebe Leser!

Wenn wir auf etwas warten, dann erkennen wir: Wir sind mehr als das, was wir uns selbst geben können. Warten zeigt uns, dass das Eigentliche uns erst geschenkt werden muss.

Auf einen lieben Menschen, der erwartet wird, freut man sich. Vorfreude bestimmt auch die Adventszeit. Sie lädt uns ein, im Warten unser Herz zu weiten, für unsere Mitmenschen und für Gott.
Gott selbst wartet auf uns. Er erwartet uns, weil er uns liebt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Wartezeit, einen gesegneten Advent und friedvolle und fröhliche Weihnachten.

Ihre Regina Mettlach, Pastoralreferentin i. R.